05-11-2019

Was war noch mal ein Gloschli?

Applaus Klein

Bild: Ivan Gallati

Bergkraut

Bild: Ivan Gallati

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Bild: Ivan Gallati

Erzählte Erinnerung mit dem Autor Eric Bergkraut und den Klassen 1q & 1s des Gymnasiums Bäumlihof / BS




Initiiert vom Festival BuchBasel und dem Vermittlungsangebot "Erzählte Erinnerung" konnte das Wortstellwerk den Autor und Filmemacher Eric Bergkraut einladen, mit Schüler*innen der Klassen 1q und 1s des Gymnasiums Bäumlihof zu arbeiten.


Ausgangspunkt für die eigenen Texte waren jeweils Gespräche mit älteren Menschen. Die Jugendlichen hörten den erzählten Erinnerungen einer anderen Generation zu, überlegten sich eine spannende Erzählperspektive und schrieben anschliessend eigene Texte:


Ein Schüler gibt dem ausgemusterten Rechenschieber eine Stimme, eine Schülerin schlüpft in die Rolle ihrer Grossmutter und lässt diese von ihrem ersten "Gloschli" (Glockenförmiger Unterrock, Berndeutsch) erzählen. Eine Autorin lässt die Ich-Erzählerin enttäuscht sein über das unergiebige Gespräch mit der Grossmutter und findet den raffinierten literarischen Kniff, unter dem Sofa das Tagebuch der alten Dame zu entdecken, in dem diese ihrem verstorbenen Mann sozusagen "off the record" vom Interview mit ihrer Enkelin erzählt und dabei den Kassettenrecorder als Mittelpunkt der Partys von früher in den Fokus rückt. Ein dialogischer Text bringt die betagte Lochkarte ins Gespräch mit dem jugendslang sprechenden coolen Computer-Chip, ein anderer Text lässt die junge Autorin eine Zeitreise in die 1950er-Jahre machen, wo sie als Kind etwas ratlos andere Kinder fragt, was denn die Hausfrauen da mit ihren Teppichen auf der Stange machten.


Anlässlich der halbszenischen Lesung vom 31. Oktober 2019 im Wortstellwerk durften natürlich der Teppichklopfer, der Rechenschieber samt Futeral, Feder und Tintenfässchen, ein Stock für die greise Lochkarte und das Porzellan-Titti als Requisiten auf der Bühne nicht fehlen.


Der Autor, Regisseur und Filmemacher Eric Bergkraut, dieser Tage im Gespräch wegen seines Spielfilms "Wir Eltern" und "Paradies möcht ich nicht" (Roman), hat als Schreibcoach die Klassen 1q und 1s betreut und den auftretenden Schüler*innen auch einen Crashkurs in Auftrittskompetenz gegeben.


Von den fast fünfzig entstandenen Schüler*innen-Texten konnten an der Abschlusspräsentation leider nur ein gutes halbes Dutzend gelesen und gespielt werden und in diesem Journal-Eintrag nur auf fünf Arbeiten eingegangen werden. Alle anderen Werke hängen nun ausgedruckt im Wortstellwerk an den Wänden und sind nachzulesen auf Erzählte Erinnerung.


Im Deutschunterricht am Gymnasium Bäumlihof haben die engagierten Lehrkräfte Elisabeth Simon und Livio Gloor für die Kontinuität des Schreibprozesses gesorgt, da Eric Bergkraut nur punktuell als Coach in Erscheinung treten konnte. – Das generationenübergreifende Projekt "Erzählte Erinnerung" bringt Schüler*innen mit professionellen Autor*innen zusammen, die etwa zwei Generationen älter sind; Themen der Texte sind deshalb dieses Jahr u.a. der Sprachwandel.


21-09-2019

#DRAISINEDERBY4

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Bild: Kathrin Schulthess/Christoph Merian Stiftung

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Bild: Kathrin Schulthess/Christoph Merian Stiftung

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Bild: Kathrin Schulthess/Christoph Merian Stiftung

Girs Power

OFFCUT hat die Draisine gebaut, Lea und Caterina, unsere jungen Schreiberinnen vom WORTSTELLWERK, haben sie mit Wörtern ausgestattet:


Seht euch dieses Meisterwerk an! Diesen Traum der Mechanik! Seht nur, was das Gefährt hier kann! Staunet und verfällt in Panik! Denn dies, mein hochverehrtes Publikum, ist ein hypertechnisches Unikum! Die Farben, die Formen, die Lichter, dieses Design! [...] Aus: 'Staunet' von Caterina John


[...] Sie wollen so schnell wie möglich zum Ihrem Saloon des Vertrauens? Drücken Sie den roten Knopf und Jolly wird schneller als ein Jaguar! Sie möchten einen entspannten Sonntagsausflug mit Ihren Kindern unternehmen? Drücken Sie den blauen Knopf und Jolly wird langsamer als eine Schildkröte! Der Fahrradfahrer soll aus dem Weg gehen? Drücken Sie den schwarzen Knopf um Wiehern auszulösen, damit der Typ vor Ihnen auf seinem Drahtesel platzmacht. Oder Sie drücken einfach die gelbe Taste, um klassische Spaghetti- Western-Musik laufen zu lassen, für das richtige Cowboy-Flair. [...] Aus: 'Jolly 3000' von Lea Butscher

Und die Alten haben kräftig den Nachwuchs ins Ziel gezogen. Danke Dominik Muheim und Sandra Hughes fürs Draisineziehen. Der Event war grosses Kino. Einen kurzen Einblick von TeleBasel gibts hier.


19-09-2019

Poetry Slam im Badhüsli

Badhüsli Slam

Als Maturarbeit hat Nadine einen Poetry Slam im Badhüsli St. Johann veranstaltet.
Zusammen mit der Slam Poetin Sarah Kunz hat sie den Abend im ausverkauften Badhüsli gleich selber moderiert. Aufgetreten sind u.a. Lukas Becker, der Sieger des Abends, Caterina John, Carlotta Thrier und Gabriela Schenker.
Wir gratulieren herzlich und freuen uns mit Nadine über ihren Erfolg.


18-09-2019

Stadtschlendernschreiben mit Meral Kureyshi

Foto: Wortstellwerk
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Begleitet von der Berner Autorin MERAL KUREYSHI («Elefanten im Garten», Roman, «Fünf Jahreszeiten», Roman, Lyrikatelier Bern) erkundeten ein gutes Dutzend Schüler*innen der Klasse 3f (Gymnasium Oberwil) die Stadt Basel. Mit Notizbuch, Handy und Computer zogen sie im September 2019 los, betrachteten Gewohntes und darum nicht mehr Beachtetes genauer. Und schrieben auf, was sie sahen und entdeckten. Am 11. Sept. 2019 präsentierten die jungen Erwachsenen in einer Open-Air-Lesung nach Sonnenuntergang (deshalb die schlechte Qualität der Fotos)ihre Texte; auf den Gleisen hinter dem Worstellwerk.


Und das sind die Lieblingsstellen der jungen Autor*innen aus allen Texten, die sie im Workshop Stadtschlendernschreiben bei Meral Kureyshi geschrieben haben:


Ich sollte wirklich aufhören, mich immer so leicht ablenken zu lassen. Wie meine Mutter immer zu sagen pflegt: Ein Bisschen mehr Konzentration würde mir nicht schaden.

 (Laura Brino)


Die kleine Palme neben mir erinnert mich an das Meer, dessen Bild nun vor meinen Augen durchzieht wie der Schatten eines Flugzeugs, wenn es vor der Sonne durchfliegt. (Leona Thüring)


Oder vielleicht leben hier winzige Dinosaurier. Man kann sie nicht sehen, aber sie brüllen laut. Sie ernähren sich von den Gräsern und voneinander, geniessen ihre Zeit und wandern würdevoll umher. (Maisie Kelly)


Lange weilen sie schon dort. Sie haben noch eine Welt gesehen, die uns fremd ist. Eine 200 Jahre ältere Welt. 200 Jahre älter als das Ahornblatt. Das Ahornblatt, ein junges Geschöpf, das nun am Ende angelangt ist. Auf dem Boden, neben Gleichaltrigen. Nun weilt es dort. (Luisa Finance)


Die Schaukeln sind tiefer geworden und die Rutschbahn kürzer. Der Sandkastensand ist nicht mehr weiches Gold sondern hartes Kiesgrau. Nur der Himmel ist der gleiche geblieben. (Sofia Joia)


Die Sonnenstrahlen, die sich im Wasser spiegeln, lassen kleine weisse Perlen erscheinen, die langsam auf dem Wasser hin und her schaukeln. (Elina Vlasák)


Der Wind trägt die Bassklänge eines Liedes an mein linkes Ohr, während mein rechtes Ohr von Kindergeschrei erfüllt wird. Hier, mitten auf einer grünen Fläche, scheint sich die Welt zu halbieren. (Sarina Kessler)


Immer wieder laufen Schatten an mir vorbei und verdecken mir die Sicht auf den Rhein und somit auch auf die Fähre, welche ihn andauernd überquert. (Eliane Wegenstein)


Wenn ich die Augen schliesse, kann ich mir vorstellen, schon weit weg zu sein. (Fleur de Ruiter)


Durch das Geäst erkennt man die grünen Laubblätter, die wie eine Decke über der Baumkrone liegen. Ab und zu dringt Licht durch das schemenhafte Blätterdach und erhellt das dunkle Innere des Baumes. (Ann-Rosalie Macko)


Er ist klein, nicht grösser als ein Meter, doch sticht er heraus wie die hellsten Sterne in der dunkelsten Nacht. Seine Blätter sind braun-rot gefärbt, doch die Strahlen der Sonne, die auf den Baum und seine Blätter fallen, setzen die Blätter in helle, glitzernde Flammen empor. (Maeve Ngoh)


Die schimmernden Ohrringe, die sie trägt, erinnern mich an das Sonnenlicht, das sich bis vor wenigen Stunden noch im Rheinwasser gespiegelt hatte. (Florence Höchle)


Sie hat den einen Arm auf ihrer oberen Bauchrolle verschränkt und den anderen mit der Elle senkrecht daraufgestellt, damit das Eis auf der perfekten Höhe mit der Luftbahn der Zunge ist.

 (Elena Stoffel)


Mit dem nächsten Windhauch fliegen graugefiederte Tauben über mich hinweg. Sie sind zwar nicht weiss, aber das Symbol des Friedens verkörpern sie trotzdem. Ich brauche auch meinen Frieden, also lege ich meinen Stift nieder. (Giulian Meier)


27-06-2019

"Die abenteuerliche Zeitreise durch Basel", Hörspiel der 6b

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK


Hörspiel der Klasse 6b des Gotthelf-Schulhauses Basel


Ursendung in der "Villa Kunterbunt" am Wieland Platz am 24.6.2019 um 20.00 Uhr.


Geschichte, Figuren, Tonaufnahmen, Sprecher*innen: Klasse 6b


Idee: Simone Spira (Lehrerin der 6b, Primarschule Gotthelf)


Dramaturgie: Wolfram Höll (Hörspiel-Autor und SRF-Redakteur)


Regie: Johannes Mayr (Hörspiel-Autor und - Regisseur, SRF-Redakteur)


Technik: Basil Kneubühler (SRF-Technik)


"Die abenteuerliche Zeitreise durch Basel" ist das allererste Hörspiel, das im neuen SRF-Hörspielstudio im Meret-Oppenheim-Hochhaus beim Bahnhof SBB in Basel aufgenommen wurde.

Und hier könnt ihr euch das Hörspiel anhören.


19-06-2019

Aus dem Logbuch des Weichenwärters

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

Der Weichenwärter, ein kostenloses Angebot für Schreibcoaching ohne Anmeldung war ein Pilotprojekt. Würde überhaupt jemand mit den eigenen Texten kommen und den Schreibprofi um Rat fragen – sofern das Angebot überhaupt schon ausreichend kundgetan werden konnte, seit der Eröffnung am 8. Februar?


ANDREAS NEESER, unser erster Weichenwärter, berichtet bei der Abschlussveranstaltung von seiner Amtszeit: „Man ist da und wartet auf Kundschaft.“ Aber, er habe nie vergebens gewartet, „es gab keinen Abend, an dem niemand erschienen ist.“ Die Ankömmlinge haben den Autor in vielerlei Hinsicht um Rat gefragt, sei es über seine Meinung zum selbstverfassten Gedicht, ihn um Verbesserungsmöglichkeiten gefragt, sich über die Ideenfindung beim Schreiben informiert, über das Publikationsverfahren oder über das Leben als Autor*in. Eine junge Frau sei immer wieder im WORTSTELLWERK aufgetaucht, weil sie das Gespräch mit einem Autor suchte, Geschriebenes hatte sie aber nie dabei.


Im Verlauf der Abende kamen immer mehr Schreibende, darunter auch Wiederkehrende, die in der Zwischenzeit NEESERS Ratschläge umgesetzt und am Text weitergearbeitet hatten.


NEESER liest ein Gedicht von einer Schreibenden vor, die leider nicht anwesend sein konnte, und fragt das Publikum nach dem Verständnis des Textes. Es werden vereinzelt Stichworte gerufen: Freundschaft, Familie, Liebe. Der Autor berichtet, dass das Gedicht für ihn keinen Sinn gemacht habe, als er es gelesen hat. Im Gespräch mit der Autorin habe sich deren Absicht geklärt und mit wenigen grammatischen Kniffs, wie zum Beispiel dem Wechsel von der Gegenwart in die Vergangenheit, habe sich das Gedicht zu einer Perle entpuppt, „Mit der Wortwahl und der Atmosphäre transportiert das Gedicht so viel Emotionalität, ohne diese zu behaupten.“ Das Publikum stimmt ihm nickend zu, als der Autor die neue Version vorliest.


Dann lesen zwei der anwesenden Autorinnen selber Ausschnitte aus ihren Texten vor. Yasemin sinniert in ihren lyrischen Kurztexten unter anderem darüber, dass in einer Nachbarschaft den Anwohner*innen das Alleinsein gemeinsam ist, über Verantwortungsbewusstsein und über Entsorgung der Sorgen auf den Müllhalden.


Solinda ist an einem Romanprojekt. Ihre Protagonistinnen sind Mädchen, deren Eltern aus fremden Kulturen“ stammen. Sie treffen sich auf dem Basketballfeld bei der Dreirosenbrücke, um sich auszutauschen; „eine multikulturelle Mädchengruppe in einer multikulturellen Stadt, die immer wieder mit der Andersheit ihrer Sprache und ihrer Hautfarbe konfrontiert werden.“


Sie habe sich als Jugendliche nie mit den Protagonistinnen und Protagonisten in den Jugendbüchern identifizieren können, da sie eine andere Hautfarbe habe als die meisten von ihnen. Und das sei ein Manko: Es gebe zu wenig Bücher für Jugendliche, die in einer Gesellschaft mit einer anderen Hautfarbe aufwachsen, die ganze Diskriminierungsthematik fehle in den Büchern, die Sorgen und die Wut der Protagonist*innen, die daraus hervorgingen.


Mit diesen und anderen Schreibenden wird ANDREAS NEESER in Zukunft im Rahmen einer Schreibwerkstatt weiterarbeiten. Die Schreibwerkstatt bietet ganztätiges und zweitätiges Schreibcoaching an. Die Ausschreibung folgt demnächst.


Ab dem 14. August begrüssen euch unsere neue Weichenwärterin SANDRA HUGHES. Die Autorin wechselt sich bis Juni 2020 mit dem Slam-Poeten und Kabarettisten DOMINIK MUHEIM, ab dem 21. August, ab.


12-06-2019

Seisch em Pascal en Gruess – Ich bin der Mann mit dem Messer – Kaffee verkehrt. 3 Filme für die Ohren im WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

Weisses Zimmer

Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

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Bild: WORTSTELLWERK

Am 7. Juni 2019 fand der 8-teilige Hörspiel-Workshop «FILME FÜR DIE OHREN» unter der Leitung des Autors Lukas Holliger im WORTSTELLWERK seinen krönenden Abschluss. Die drei Hörspiele «Der Gruss», «Merkwürdig» und «Haydn-Sonate 59 in Es-Dur, live aus dem Café Central, Wien» wurden vor vollem Haus uraufgeführt.

Eröffnet wurde der Abend von Schriftsteller und Hörspielprofi Lukas Holliger mit dem «Radio-Urknall». Es erklang der Anfang jenes legendären Live-Hörspiels von Orson Welles, War of the Worlds, das 1938 im Stil einer Live-Reportage ausgestrahlt wurde und durch die Behauptung, menschenfressende Ausserirdische hätten soeben die Erde angegriffen, an der US-Ostküste eine Massenpanik ausgelöst haben soll. Das Publikum im WORTSTELLWERK folgte gespannt der historischen Aufnahme dieses ersten wirkmächtigen Hörspiels aus der Zeit, in der das Radio das allerneuste Medium war, vergleichbar mit dem Internet vor 20 Jahren.


Die Kunstform Hörspiel aber, versichert Lukas Holliger, hat auch heute noch diese Kraft; die Kraft des Ohrs, das wir nie schliessen können und mit dem wir alles stärker aufnehmen als mit dem Auge.


Und was, wenn das Ohr ganz Ohr ist, aber rein gar nichts da ist? Das Workshop-Thema «Wahnsinn» hat die 9-köpfige Gruppe während eines Selbstversuchs im legendären schalltoten Raum des alten Radiostudios auf dem Basler Bruderholz gefunden. Kurz vor der Schliessung des alten SRF-Standorts war noch ein Besuch möglich. Nun, die Gruppe hat es nur gut 10 Minuten im absolut stillen Raum ausgehalten. «Noch länger, und ich werde wahnsinnig!» (Einige sollen schon die Beerdigungs-Kirchenglocken bimmeln gehört haben. Denn wenn nichts reinkommt durchs Ohr, spielt das Gehirn verrückt.)


Das Hörspiel «Der Gruss» von Adrian, Max und Niccolo beginnt mit einer Art Gongschlag, von Vogelgezwitscher aufgelöst. Dann folgen Gesprächsfetzen, raffiniert in Geräusche und Klänge einmontiert. «Wenn chunnt dä Pascal eigetlich?» und «Seisch em Pascal en Gruess!» – Nur: Woher kennt sie Pascal? Kennt sie ihn besser? Und warum weiss ich nicht, dass sie ihn kennt? – Und so dreht sich die Spirale der Vorstellungen weiter und weiter – bis in den Wahnsinn, wenn auch nur in den banalen Wahnsinn des Alltags: «Fuck! Fuck! Fuck!», grosses Gurgeln und – Vogelgezwitscher. Ein herrlicher Film für die Ohren; höchst amüsant.


Es folgt «Merkwürdig», ein Hörspiel von Carie, Leonie und Jodok: Musik, Glockenschlag, Schritte im Wald. Frauenstimme: «Mist. Es ist dunkel.» Telefonfreizeichen. Keiner geht ran. Und dann eine Angst. Und ein Einfall: «Ich bin der Mann mit dem Messer!» Und dann ruft Tom doch noch an: «Lena, wo bist du?» – «Ich bin der Mann mit dem Messer!» – Und dann trifft Lena diesen kleinen Frosch auf dem Trottinett, der so wahnsinnig schnell sprechen kann – Und dann die Auflösung: Eine Rahmenhandlung, Familie im Zug, Tunnel, Kinder, ein Bilderbuch. Merkwürdig! – Tolles Hörerlebnis. Klänge lassen Welten entstehen und wieder vergehen, minimalistische Dialoge und Gedanken. Äusserst gelungen.


Den Abschluss macht das Hörspiel von Liisa, Simon und Alexander: «Haydn-Sonate 59 in Es-Dur, live aus dem Café Central in Wien». Natürlich Kaffehausgeräusche und Pianotöne. Haydn. Stimmengemurmel. Und ein Grossvater, der dem Enkel Wien erklärt. In einer ellenlangen, virtuosen Improvisation. Kaffehauskultur erklärt. Ohne Pause. Kaffee erklärt: «Der Verlängerte. Willst du einen Verlängerten? Der kleine Braune! Oder hier, hier: Kaffee verkehrt! Willst du einen Kaffee verkehrt?» – «Ich will lieber ein Wasser.» – «Es isch ja au nüme de alti Dänk-Chaschte zwüsched mine Ohre.» – Ein grosser Spass, wie da ein Schnurri zur Haydn-Sonate Gesprächspartner und Zuhörer fast in den Wahnsinn treibt.


Applaus für die drei Hörspiele der jungen Erwachsenen, die an 8 bis 9 Kursabenden und vielen Zusatzstunden in Cafés entstanden sind. Und danke, Lukas Holliger.


HV

09-05-2019

IM WORTSTELLWERK WERDEN WORTWUNDER WAHR

Kasimir

Bild: © WORTSTELLWERK

Paula

Bild: © WORTSTELLWERK

Lea

Bild: © WORTSTELLWERK

Dominik

Bild: © WORTSTELLWERK

Alena

Bild: © WORTSTELLWERK

Paula Und Carlotta

Bild: © WORTSTELLWERK

Schlussbild

Bild: © WORTSTELLWERK

Celina

Bild: © WORTSTELLWERK

Nadine Publikum

Bild: © WORTSTELLWERK

Am Abend des 3. Mai 2019 präsentiert Dominik Muheim die Früchte seiner Workshop-Arbeit im WORTSTELLWERK. Seit dem 19. Februar 2019 haben sieben Jugendliche wöchentlich intensiv mit dem erfahrenen Slam Poeten gedichtet, geschrieben, performt und offenbar auch viel gelacht. „Der Workshop war der absolute Hammer!“ berichtet Muheim begeistert dem Publikum.
Kasimir eröffnet die Slam-Show mit einem Text übers Texten: I bi däheime ghoggt und ha uf es wysses Blatt gschtarrt. Er erzählt, wie er die Zeit, in der er ratlos vor dem weissen Blatt sitzt, viel besser nutzen könnte und sich für den Klimawandel einsetzen, zum Beispiel. Der Dichter zieht eine ganze Welt von Ideen auf, berichtet energisch, wie er sich für etwas Sinnvolles engagieren könnte, während er bloss schreibblockiert zuhause vor dem weissen Blatt sitzt - und eben darüber sinniert, worüber er denn schreiben könnte.
In ihrem Textauftritt ärgert sich Lea über kitschige Liebesromane mit kitschigen Jugendlichen für die Jugend: Was für eine Schaumwollbacke in der Lederjacke!
Und einen ganzen Katalog an einfallsreichen Fragen hat Nadine zusammengestellt und vorgetragen: Wo sind eigentlich die Märchenfiguren, die noch nicht gestorben sind? Heissen Teigwaren Teigwaren, weil sie einmal Teig waren? Oder: Was hat ein Mann ohne Beine? Erdnüsse. Und was hat ein Wal? Walnüsse.
Dazwischen gibt Dominik Muheim einen Einblick in Übungen zum Kreativen Schreiben: Zum Beispiel hat er die Gruppe aufgefordert, sich Gedanken über das Befinden der Kaffeekanne zu machen; eine Todesanzeige für ein Smart Phone zu verfassen, das vom Sessellift fiel, Sätze mit Alliterationen zu bilden oder sich Wortspielen hinzugeben wie beispielsweise beim Gewerbenamen-Ausdenken-Spiel: Begg to the future für eine Bäckerei oder Meating Point für eine Metzgerei.
Celina setzt sich in ihrem Text mit der Frage auseinander, wieso sie sich nicht einfach einen Ruck gibt und herzhaft drauflosleben? Wieso sollte ich nicht einfach mal einen Zuckerwattestand auf der Champs-Elysée aufbauen und „Süggerwadee“ rufen? Wieso nicht?
Und Paula beobachtet an sich selber, dass sie alles nur so halb und ein bitzeli macht, weil sie im Hinterkopf immer den ganzen Turm von alternativen Möglichkeiten weiss, was sie sonst noch alles erledigen könnte. Das liege wohl daran, dass sie eine Halbwüchsige sei, oder eher daran, dass sie halb Schweizerin und halb Deutsche sei? D Halbheit isch vorprogrammiert. Ich würd so gern mol öppis ganz mache, aber immer isch alles nume halb: Ich lyyd halb, ich lieb halb, ich lach halb... Das seg alles halb so wild, het myni Therapeutin gmäint.
Carlotta stürzt sich in eine Identitätskrise, als sie von den Eltern aufgefordert wird, ihr Zimmer aufzuräumen. Ein aufgeräumtes Zimmer habe absolut überhaupt nichts mit ihr zu tun, das sei nicht sie, da fühle sie sich wie bei einer Fremden zuhause.
Und schliesslich tritt Alena auf die Bühne - zum allerersten Mal! - und trägt „Sommerseife“ vor, einen sanften Text über den Wunsch, mit einer bestimmten Person eine Entenfarm zu eröffnen oder ihr den Fachbegriff für „Regen auf dem Teer“ zu nennen: Ich will keine Zukunft ohne dich.
Das Publikum erhält an diesem Abschlussabend einen umfassenden Einblick in Dominik Muheims Poetry Slam-Workshop mit den Jugendlichen und lauscht einer breiten Auswahl von nachdenklichen, witzigen, wortverspielten und gedankenreichen Texten.
Diese «Generalprobe» hat die Gruppe souverän gemeistert; jetzt los auf die «richtigen» Slam-Bühnen dieser Welt!


TEXT: DD

11-02-2019

DAS WAR DIE ERÖFFNUNG UND DER U20-SLAM

Los Tros Flamingos

Bild: © Christoph Merian Stiftung / Kathrin Schulthess

Eröffnung

Bild: © WORTSTELLWERK

Lukas Faesch, Präsident der Stiftungskommission der Christoph Merian Stiftung

Bild: © Christoph Merian Stiftung / Kathrin Schulthess

Guy Krneta, Vorstandspräsident WORTSTELLWERK

Bild: © Christoph Merian Stiftung / Kathrin Schulthess

Richard Reich, Leitungsteam JuLl

Bild: © Christoph Merian Stiftung / Kathrin Schulthess

Daniela Dill und Hannes Veraguth, Geschäftsleitung WORTSTELLWERK

Bild: © Christoph Merian Stiftung / Kathrin Schulthess

Los Tros Flamingos

Bild: © WORTSTELLWERK

Junges Theater Basel

Bild: © WORTSTELLWERK

Junges Theater Basel

Bild: © WORTSTELLWERK

Duorau

Bild: © Christoph Merian Stiftung / Kathrin Schulthess

U20-Slam

Bild: © WORTSTELLWERK

U20-Slam

Bild: © WORTSTELLWERK

Das WORTSTELLWERK ist seit Freitagabend ganz offiziell eröffnet – mit Festreden von Lukas Faesch (Präsident der Stiftungskommission der CMS), Guy Krneta (Vorstandspräsident des WORTSTELLWERK) und Richard Reich (Leitungsteam JULL). Ansonsten gehörte die Bühne den U25-Jährigen: Los Tros Flamingos gaben den Takt vor, Caterina John trug ihren extra für den Anlass geschriebenen Text vor (und gewann ein paar Stunden später den U20-Slam) und fünf junge Performer_innen aus der jungen Theaterszene markierten den Weg vom schmatz ins WORTSTELLWERK. In den frisch renovierten Räumen performte das Duorau und ab 20 Uhr weihten die U20-Slammer_innen Tim Appel (Baden), Jens Blattner (Baden), Caterina John (Basel), Kasimir Krneta (Basel), Adriana Tarr-Thaler (Basel) und Carlotta Thrier (Basel) die neugebaute WORTSTELLWERK-Bühne ein. Und irgendwann kurz vor Mitternacht klang der Abend aus mit Spaghetti und Tomatensauce.


Text: Philine Erni

23-01-2019

NEU: JUNGES SCHREIBHAUS FÜR BASEL

Wortstellwerk Dill Veraguth

Bild: ©Philine Erni

Wortstellwerk Veraguth Dill 3

Bild: ©Philine Erni

Wortstellwerk Dill Veraguth 2

Bild: ©Philine Erni

Zwischen den stillgelegten Bahngleisen auf dem Dreispitz entsteht ein Ort für junge Schreibende zwischen 11 und 25 Jahren: das WORTSTELLWERK. Unter der Leitung von der Spoken-Word-Autorin Daniela Dill und dem Lehrer Hannes Veraguth werden dort ab sofort Schreibworkshops,Textcoaching, Veranstaltungen, Schreibberatungen und À-La-Carte-Angebote für Schulklassen organisiert. Am 8. Februar ist die Eröffnung.


Als Teil des Gleisbogens der Christoph Merian Stiftung (CMS) ist das WORTSTELLWERK umgeben von Gleisen, Stellwerken und Weichen. In diesem Sinne können im WORTSTELLWERK Worte spielerisch-künstlerisch zu einem Satz und zu einem Text aufgegleist werden. Und vielleicht werden bei den jungen Schreibenden durch die Begegnung mit Slam Poetry, Erzählungen, Theaterstücken, Romanen, Spoken Word, Gedichten, Song-Lyrics, Hörspielen, Reportagen oder Graphic Novels sogar Weichen gestellt in ihrer Schreibbiografie.


Zur Medienmitteilung


Text: Philine Erni

12-01-2019

#workinprogress

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Bild: ©Philine Erni

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Bild: ©Philine Erni

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Bild: ©Philine Erni

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Bild: ©Philine Erni

Die Vorbereitungen für die Eröffnung am 8. Februar laufen auf Hochtouren. Wir streichen, bauen eine Bühne, richten unsere Villa Kunterbunt ein, wie es uns gefällt...


Text: Philine Erni