09-05-2019

IM WORTSTELLWERK WERDEN WORTWUNDER WAHR

Kasimir

Bild: © WORTSTELLWERK

Paula

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Lea

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Dominik

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Alena

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Paula Und Carlotta

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Schlussbild

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Celina

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Nadine Publikum

Bild: © WORTSTELLWERK

Am Abend des 3. Mai 2019 präsentiert Dominik Muheim die Früchte seiner Workshop-Arbeit im WORTSTELLWERK. Seit dem 19. Februar 2019 haben sieben Jugendliche wöchentlich intensiv mit dem erfahrenen Slam Poeten gedichtet, geschrieben, performt und offenbar auch viel gelacht. „Der Workshop war der absolute Hammer!“ berichtet Muheim begeistert dem Publikum.
Kasimir eröffnet die Slam-Show mit einem Text übers Texten: I bi däheime ghoggt und ha uf es wysses Blatt gschtarrt. Er erzählt, wie er die Zeit, in der er ratlos vor dem weissen Blatt sitzt, viel besser nutzen könnte und sich für den Klimawandel einsetzen, zum Beispiel. Der Dichter zieht eine ganze Welt von Ideen auf, berichtet energisch, wie er sich für etwas Sinnvolles engagieren könnte, während er bloss schreibblockiert zuhause vor dem weissen Blatt sitzt - und eben darüber sinniert, worüber er denn schreiben könnte.
In ihrem Textauftritt ärgert sich Lea über kitschige Liebesromane mit kitschigen Jugendlichen für die Jugend: Was für eine Schaumwollbacke in der Lederjacke!
Und einen ganzen Katalog an einfallsreichen Fragen hat Nadine zusammengestellt und vorgetragen: Wo sind eigentlich die Märchenfiguren, die noch nicht gestorben sind? Heissen Teigwaren Teigwaren, weil sie einmal Teig waren? Oder: Was hat ein Mann ohne Beine? Erdnüsse. Und was hat ein Wal? Walnüsse.
Dazwischen gibt Dominik Muheim einen Einblick in Übungen zum Kreativen Schreiben: Zum Beispiel hat er die Gruppe aufgefordert, sich Gedanken über das Befinden der Kaffeekanne zu machen; eine Todesanzeige für ein Smart Phone zu verfassen, das vom Sessellift fiel, Sätze mit Alliterationen zu bilden oder sich Wortspielen hinzugeben wie beispielsweise beim Gewerbenamen-Ausdenken-Spiel: Begg to the future für eine Bäckerei oder Meating Point für eine Metzgerei.
Celina setzt sich in ihrem Text mit der Frage auseinander, wieso sie sich nicht einfach einen Ruck gibt und herzhaft drauflosleben? Wieso sollte ich nicht einfach mal einen Zuckerwattestand auf der Champs-Elysée aufbauen und „Süggerwadee“ rufen? Wieso nicht?
Und Paula beobachtet an sich selber, dass sie alles nur so halb und ein bitzeli macht, weil sie im Hinterkopf immer den ganzen Turm von alternativen Möglichkeiten weiss, was sie sonst noch alles erledigen könnte. Das liege wohl daran, dass sie eine Halbwüchsige sei, oder eher daran, dass sie halb Schweizerin und halb Deutsche sei? D Halbheit isch vorprogrammiert. Ich würd so gern mol öppis ganz mache, aber immer isch alles nume halb: Ich lyyd halb, ich lieb halb, ich lach halb... Das seg alles halb so wild, het myni Therapeutin gmäint.
Carlotta stürzt sich in eine Identitätskrise, als sie von den Eltern aufgefordert wird, ihr Zimmer aufzuräumen. Ein aufgeräumtes Zimmer habe absolut überhaupt nichts mit ihr zu tun, das sei nicht sie, da fühle sie sich wie bei einer Fremden zuhause.
Und schliesslich tritt Alena auf die Bühne - zum allerersten Mal! - und trägt „Sommerseife“ vor, einen sanften Text über den Wunsch, mit einer bestimmten Person eine Entenfarm zu eröffnen oder ihr den Fachbegriff für „Regen auf dem Teer“ zu nennen: Ich will keine Zukunft ohne dich.
Das Publikum erhält an diesem Abschlussabend einen umfassenden Einblick in Dominik Muheims Poetry Slam-Workshop mit den Jugendlichen und lauscht einer breiten Auswahl von nachdenklichen, witzigen, wortverspielten und gedankenreichen Texten.
Diese «Generalprobe» hat die Gruppe souverän gemeistert; jetzt los auf die «richtigen» Slam-Bühnen dieser Welt!


TEXT: DD