18-09-2019

Stadtschlendernschreiben mit Meral Kureyshi

Foto: Wortstellwerk
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Begleitet von der Berner Autorin MERAL KUREYSHI («Elefanten im Garten», Roman, «Fünf Jahreszeiten», Roman, Lyrikatelier Bern) erkundeten ein gutes Dutzend Schüler*innen der Klasse 3f (Gymnasium Oberwil) die Stadt Basel. Mit Notizbuch, Handy und Computer zogen sie im September 2019 los, betrachteten Gewohntes und darum nicht mehr Beachtetes genauer. Und schrieben auf, was sie sahen und entdeckten. Am 11. Sept. 2019 präsentierten die jungen Erwachsenen in einer Open-Air-Lesung nach Sonnenuntergang (deshalb die schlechte Qualität der Fotos)ihre Texte; auf den Gleisen hinter dem Worstellwerk.


Und das sind die Lieblingsstellen der jungen Autor*innen aus allen Texten, die sie im Workshop Stadtschlendernschreiben bei Meral Kureyshi geschrieben haben:


Ich sollte wirklich aufhören, mich immer so leicht ablenken zu lassen. Wie meine Mutter immer zu sagen pflegt: Ein Bisschen mehr Konzentration würde mir nicht schaden.

 (Laura Brino)


Die kleine Palme neben mir erinnert mich an das Meer, dessen Bild nun vor meinen Augen durchzieht wie der Schatten eines Flugzeugs, wenn es vor der Sonne durchfliegt. (Leona Thüring)


Oder vielleicht leben hier winzige Dinosaurier. Man kann sie nicht sehen, aber sie brüllen laut. Sie ernähren sich von den Gräsern und voneinander, geniessen ihre Zeit und wandern würdevoll umher. (Maisie Kelly)


Lange weilen sie schon dort. Sie haben noch eine Welt gesehen, die uns fremd ist. Eine 200 Jahre ältere Welt. 200 Jahre älter als das Ahornblatt. Das Ahornblatt, ein junges Geschöpf, das nun am Ende angelangt ist. Auf dem Boden, neben Gleichaltrigen. Nun weilt es dort. (Luisa Finance)


Die Schaukeln sind tiefer geworden und die Rutschbahn kürzer. Der Sandkastensand ist nicht mehr weiches Gold sondern hartes Kiesgrau. Nur der Himmel ist der gleiche geblieben. (Sofia Joia)


Die Sonnenstrahlen, die sich im Wasser spiegeln, lassen kleine weisse Perlen erscheinen, die langsam auf dem Wasser hin und her schaukeln. (Elina Vlasák)


Der Wind trägt die Bassklänge eines Liedes an mein linkes Ohr, während mein rechtes Ohr von Kindergeschrei erfüllt wird. Hier, mitten auf einer grünen Fläche, scheint sich die Welt zu halbieren. (Sarina Kessler)


Immer wieder laufen Schatten an mir vorbei und verdecken mir die Sicht auf den Rhein und somit auch auf die Fähre, welche ihn andauernd überquert. (Eliane Wegenstein)


Wenn ich die Augen schliesse, kann ich mir vorstellen, schon weit weg zu sein. (Fleur de Ruiter)


Durch das Geäst erkennt man die grünen Laubblätter, die wie eine Decke über der Baumkrone liegen. Ab und zu dringt Licht durch das schemenhafte Blätterdach und erhellt das dunkle Innere des Baumes. (Ann-Rosalie Macko)


Er ist klein, nicht grösser als ein Meter, doch sticht er heraus wie die hellsten Sterne in der dunkelsten Nacht. Seine Blätter sind braun-rot gefärbt, doch die Strahlen der Sonne, die auf den Baum und seine Blätter fallen, setzen die Blätter in helle, glitzernde Flammen empor. (Maeve Ngoh)


Die schimmernden Ohrringe, die sie trägt, erinnern mich an das Sonnenlicht, das sich bis vor wenigen Stunden noch im Rheinwasser gespiegelt hatte. (Florence Höchle)


Sie hat den einen Arm auf ihrer oberen Bauchrolle verschränkt und den anderen mit der Elle senkrecht daraufgestellt, damit das Eis auf der perfekten Höhe mit der Luftbahn der Zunge ist.

 (Elena Stoffel)


Mit dem nächsten Windhauch fliegen graugefiederte Tauben über mich hinweg. Sie sind zwar nicht weiss, aber das Symbol des Friedens verkörpern sie trotzdem. Ich brauche auch meinen Frieden, also lege ich meinen Stift nieder. (Giulian Meier)